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Autor: Chris Ziegler

Literarischer Abend am JEG zum 8. Mai

An das Ende des Zweiten Weltkriegs am 8. Mai vor genau 80 Jahren wurde am Julius-Echter-Gymnasium auf besondere Weise erinnert. Am Abend versammelten sich Schüler, Lehrkräfte, Eltern und Gäste im Hilde-Domin-Saal des Julius-Echter-Gymnasiums, um an einer besonderen Veranstaltung teilzunehmen. Unter dem Titel „Die Häuser standen abgebrochen gegen den Himmel“ – ein Zitat aus Wolfgang Borcherts Erzählung „Die drei dunklen Könige“ – fand ein literarischer Abend mit Texten zum Thema Krieg statt.

In ihrer Begrüßung bezog sich Schulleiterin Petra Hein auf die berühmte Rede des ehemaligen Bundespräsidenten Richard v. Weizsäcker, den 8. Mai als Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus zu verstehen. Anschließend lasen Alexander Thum, Bertram Söller, Anja Hirdina und Raimund Trosbach Texte von Hilde Domin, John von Düffel, Helga Schubert und Günter Grass; dem Publikum bot sich so ein facettenreicher Blick auf Ereignisse des Zweiten Weltkriegs, mal heiter, mal schockierend, aber immer berührend. Besondere Aufmerksamkeit galt dem ehemaligen Schulleiter Manfred Geltinger, der als Zeitzeuge in einem bewegenden Gespräch mit Bertram Söller seine Erinnerungen an das Kriegsende 1945 teilte – eine seltene Gelegenheit, Geschichte aus erster Hand zu erfahren.

Zwei musikalische Beiträge, von Jona Brand einfühlsam gespielt, unterstrichen die Stimmung der Lesungen. Viel Applaus bekam Lea Bachmann für ihren Poetry-Slam-Text „Waffen schweigen – Worte nicht, in dem sie an die politische Verantwortung gemahnte, die mit dem Gedenktag einhergehe, denn „80 Jahre Frieden sind kein Besitz, keine Garantie, sie sind ein Versprechen“, so Bachmann.

Nach einer kurzen Pause ging das Programm mit Texten von Ernst Jandl, Erich Fried, Stig Dagerman und Moritz Seibert weiter, ausdrucksvoll vorgetragen von Susanne Ingenbleek, Jens Pollakowski und Susanne Pfefferer. Höhepunkt dieses zweiten Teils war sicherlich Harmut Beils Lesung einer Szene aus dem Nachkriegsdrama „Draußen vor der Tür“ von Wolfgang Borchert. Beils Vortragskunst ließ die Zuhörerschaft deutlich ergriffen zurück. Mit dem Text „Abschied von Amerika“ setzte Heinz Linduschka durch den schonungslosen Blick auf die von Trump gebeutelten USA den passenden Schlusspunkt unter einen literarischen Abend, der zeigte, wie gerade durch Literatur die Erinnerung lebendig erhalten werden kann.

Thum


Waffen schweigen – Worte nicht

Ein Text von Lea Bachmann zur Erinnerung an das Ende des Zweiten Weltkriegs am 8. Mai 1945

80 Jahre –

Das ist eine Zeitspanne, die in Staub zerfällt,

wenn ich versuche, sie in meine Hände zu nehmen.

Eine Zeitspanne, die Geschichten trägt,

die ich nur aus Büchern kenne.

80 Jahre –

Fünf Generationen, fast ein Menschenleben lang

und gleichzeitig nur ein einziger Herzschlag in der Geschichte.

80 Jahre –

Das sind verblasste Gesichter auf vergilbten Fotos,

sind Stimmen, die langsam leiser werden,

bis sie nur noch flüstern,

in staubigen Büchern und stillen Gedankenreden.

80 Jahre –

Und ich stehe da,

auf dem Boden, der damals bebte,

auf dem Boden, der heute trägt –

mich, uns, alle,

die vergessen könnten, wenn sie wollten.

Ich habe keinen Krieg erlebt.

Kein Beben unter meinen Füßen,

keine Sirenen in der Nacht,

kein Flüstern von Angst in Kellern aus Stein.

Für mich ist dieser Krieg, zum Glück,

ein Kapitel im Geschichtsbuch,

ein Mahnmal in der Innenstadt,

eine Kerze am Volkstrauertag,

eine kurzer Beitrag in den Nachrichten.

Ich bin geboren in einem Deutschland

das Frieden nennt, was es für normal hält.

Doch Frieden ist kein Naturgesetz.

Kein Sonnenuntergang, der einfach so passiert. Frieden ist eine Entscheidung

Immer und immer wieder.

80 Jahre –

Und ich lerne:

Frieden ist nicht die Abwesenheit von Krieg. Frieden ist das tägliche, das mühselige,

das gemeinsame Bauen einer Brücke,

wo Misstrauen ein Fluss sein könnte.

80 Jahre –

Und ich begreife:

Es ist ein Geschenk,

aber auch eine Aufgabe.

Eine Kerze in der Dunkelheit, die ich tragen muss,

auch wenn der Wind auffrischt.

Gerade dann, immer dann.

80 Jahre Kriegsende bedeutet für mich,

dass ich tanzen darf,

wo andere auf Trümmern standen.

Dass ich sprechen darf,

wo andere schwiegen vor Angst.

Dass ich leben darf,

ohne das Leben jeden Tag gegen den Tod verteidigen zu müssen.

Und es bedeutet,

dass ich aufpassen muss,

dass ich aufstehen muss,

dass ich erinnern muss.

Nicht aus Schuld, sondern aus Respekt.

Nicht aus Angst, sondern aus Verantwortung.

Nicht, weil die Geschichte sich wiederholen muss, sondern, weil sie es könnte,

wenn wir sie schlafen lassen.

80 Jahre Kriegsende –

Und ich sehe, wie leicht Risse entstehen

in den Mauern unseres Zusammenlebens.

Wie schnell Worte wieder zu Waffen werden können.

Wie leicht sich Mauern bauen lassen

und wie schwer sie wieder einzureißen sind.

Für mich bedeutet es:

Hinhören, wo andere verdrängen wollen.

Reden, wo andere schweigen wollen.

Erinnern, wo andere vergessen wollen.

Es bedeutet für mich,

die Stille wertzuschätzen, in der ich heute träumen darf –

ohne Bomben, ohne Angst.

Es bedeutet, dass meine Freiheit auf den Trümmern von damals wächst.

Dass mein Lachen der schönste Widerspruch,

gegen den Wahnsinn von damals ist.

80 Jahre Kriegsende –

Bedeutet für mich die Verpflichtung,

den Frieden nicht als Erbe,

sondern als Aufgabe zu verstehen.

Es bedeutet, dass ich fragen darf, zweifeln, widersprechen,

dass ich lernen muss zu erinnern,

auch wenn es nicht meine Wunden sind.

Denn 80 Jahre Frieden sind kein Besitz, keine Garantie,

sie sind ein Versprechen,

das wir jeden Tag neu einlösen müssen.

Mit Respekt, mit Mut, mit offenen Augen für das,

was war – was nie wieder sein darf.

80 Jahre Kriegsende –

Bedeutet für mich, dass ich Verantwortung trage,

die Geschichte derer zu bewahren,

die keine Stimme mehr haben.

Und dass ich laut werde,

wenn die Welt beginnt, sie wieder zu vergessen.

Lea Bachmann

„Später Besuch“: Szenische Lesung mit Bernhard Setzwein am JEG

An das Ende des Zweiten Weltkriegs am 8. Mai vor genau 80 Jahren wurde am Julius-Echter-Gymnasium in besonderer Weise erinnert. Am Vormittag kamen der bekannte Autor Bernhard Setzwein und der Kulturjournalist Stefan Voit an die Schule, um vor den Schülerinnen und Schülern der 11. Jahrgangsstufe Setzweins Stück „Später Besuch. Dietrich Bonhoeffer redivivus“ in einer szenischen Lesung aufzuführen.

Bonhoeffer wurde am 9. April 1945 im KZ Flossenbürg von den Nazis hingerichtet. Seinem Tod vorausgegangen waren chaotische Tage, in denen er von Berlin aus mit anderen Häftlingen auf einen Gefangenentransport geschickt worden war. Unter ihnen der spätere CSU-Mitbegründer Josef Müller, genannt „Ochsensepp“. Diese Konstellation greift Setzwein in seinem Theaterstück auf und verlagert die Handlung auf zwei Zeitebenen: In der einen erscheint Bonhoeffer im Herbst 1945 als Geist nachts bei Josef Müller. Im Dialog werden dann in einer zweiten Ebene die dramatischen Ereignisse rund um Bonhoeffers Hinrichtung gegenwärtig.

Keine leichte Kost, die den Schülerinnen und Schülern des JEG da geboten wurde! Doch Setzwein gelingt es, sie mit minimalistischen Mitteln 80 Jahre in der Zeit zurückreisen zu lassen. Zwei kleine Tische, ein Plakat und eine kleine Spieluhr – und dazu die eindrücklich-sonore Stimme Setzweins im Zwiegespräch mit Voit, der glaubwürdig in die Rolle des Ochsensepp schlüpft, – mehr braucht es nicht, um das Grauen der NS-Diktatur und die Selbstzweifel des Widerstandskämpfers Bonhoeffer miterlebbar zu machen.

In seinem Stück geht es Setzwein auch darum, am Beispiel des protestantischen Pastors Fragen von überzeitlich-ethischer Relevanz zu verhandeln, etwa dem Verhalten in einer Diktatur oder wie man in einer unmoralischen Welt moralisch bleiben kann. Ganz aktuell auch das Thema (Wieder) Bewaffnung: 1945 wollten viele Deutsche keine Armee mehr, und heute entzweit die Aufrüstung der Bundeswehr die Gesellschaft.

Setzweins „Später Besuch“ war also für die Schüler in vielerlei Hinsicht ein historisches Lehrstück und bestens geeignet, die Erinnerung an den 8. Mai 1945 wach zu halten.

Thum

JEG Mädchen sind unterfränkischer Handballmeister

Mit reichlich Verspätung, verursacht durch eine Vollsperrung auf der Autobahn, reiste unsere Handballmannschaft der Handball WK II zum Turnier der Wettkampfklasse 2 nach Kitzingen an. Dank des verständnisvollen Turnierleiters, der das erste Halbfinale vorgezogen hatte, konnte unser Team trotz der schwierigen Anreise noch rechtzeitig ins Geschehen eingreifen.

Im Halbfinale gegen die Gastgeber aus Kitzingen machte sich die verkürzte Aufwärmzeit zunächst bemerkbar. Die Elsenfelder kamen zunächst schwer in Tritt und gerieten früh mit 0:3 in Rückstand. Trotz guter Chancen verhinderten Übertreten und Pfostentreffer zunächst eigene Torerfolge. Doch mit zunehmender Spieldauer stabilisierte sich die Defensive und das Team kämpfte sich eindrucksvoll zurück. Durch konsequente Abwehrarbeit und gut herausgespielte Abschlüsse drehten die motivierten Elsenfelderinnen das Spiel und zogen mit einem verdienten 14:10-Sieg ins Finale ein.

Auch im Endspiel gegen Lohr gerieten die Elsenfelder zunächst ins Hintertreffen und lagen im Verlauf der 1. Halbzeit mit drei Toren zurück. Eine taktische Umstellung in der Defensive brachte jedoch die Wende. Von da an kontrollierten die JEG Mädels das Spielgeschehen, zeigten eine starke Teamleistung und sicherten sich letztlich mit einem 23:18-Erfolg den Titel des Unterfränkischen Meisters.

Gehring

Technik trifft Kreativität – Hackdays am Julius-Echter-Gymnasium

Drei Tage lang verwandelte sich das Julius-Echter-Gymnasium in ein lebendiges Zukunftslabor. Statt Mathe, Deutsch und Englisch stand diesmal Tüfteln, Programmieren und Präsentieren auf dem Stundenplan. Bei den sogenannten Hackdays hatten 30 Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, ihre Schule aktiv mitzugestalten – und das mit erstaunlicher technischer Raffinesse.

Die Idee hinter den Hackdays ist ebenso simpel wie genial: Jugendliche entwickeln in kleinen Teams kreative Lösungsansätze für Herausforderungen im Schulalltag und setzen diese mit digitalen und technischen Mitteln in greifbare Prototypen um. Unterstützt wurden sie dabei von engagierten Mentorinnen und Mentoren, die ihr Wissen aus IT, Design und Ingenieurwesen einbrachten.

Ideen, die den Schulalltag smarter machen

Neun Projekte sind in den drei intensiven Tagen entstanden – jedes einzelne mit dem Potenzial, echten Mehrwert für den Schulalltag zu schaffen. So etwa ein digitaler Parkplatzfinder, der den morgendlichen Stress auf dem Schulparkplatz minimieren soll. Ein Team hat einen alten, ausrangierten 3D-Drucker in eine funktionstüchtige 3D-Fräse umgewandelt. Durch geschicktes Upcycling entstand aus vermeintlichem Elektroschrott ein nützliches neues Werkzeug – ein Paradebeispiel für nachhaltige Technikbegeisterung. Auch futuristische Ideen fanden ihren Weg in die Praxis: ein „AIR-Flow-System“, das mithilfe intelligenter Sensorik Stühle nach individuellem Bedarf beheizen oder kühlen kann – Komfort auf Knopfdruck. Neben dem Lötkolben kamen auch 3D-Drucker und Softwaretools zum Einsatz. Die Schülerinnen und Schüler nutzten dabei erstmals auch den neuen Makerspace, der derzeit am JEG entsteht – ein moderner Kreativraum, der Technik, Handwerk und digitale Innovation unter einem Dach vereint. Eine perfekte Umgebung, um Ideen Realität werden zu lassen. Zum krönenden Abschluss präsentierten die Teams ihre Projekte in einer professionell gestalteten Abschlussveranstaltung. Die drei Tage haben nicht nur technische Lösungen hervorgebracht, sondern auch Mut gemacht, Neues zu denken und zu gestalten.

Mehr als Technik – ein Blick in die Zukunft

Die Hackdays waren aber mehr als nur ein Spielplatz für Technikbegeisterte. Sie zeigten eindrucksvoll, wie man junge Menschen für Wissenschaft, Technologie und Unternehmertum begeistern kann. Dafür sorgte auch Kevin Geis vom Venture Lab, der in einem inspirierenden Impulsvortrag das Thema „Gründen“ greifbar und motivierend vermittelte. Seine Botschaft: Jede große Idee beginnt mit einem ersten mutigen Schritt – oder einem Prototypen.

Ein starkes Netzwerk im Hintergrund

Ein herzliches Dankeschön gilt dem Projekt Make Your School, das gemeinsam mit Wissenschaft im Dialog die Hackdays möglich machte. Ohne die Expertise und die Geduld der zahlreichen Mentorinnen und Mentoren wären die drei Tage kaum so produktiv, lebendig und lehrreich verlaufen.

Jörg Giegerich