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Autor: Chris Ziegler

MINT-Knobeleien am JEG

Die Schülerinnen und Schüler des Julius-Echter-Gymnasiums Elsenfeld hatten im Advent die Gelegenheit, an zwei MINT-Aktionen – Mathematik, Naturwissenschaften und Informatik – teilzunehmen. Für die Unterstufe gehört der mathematische Adventskalender „Mathe im Advent“ der Deutschen Mathematiker Vereinigung (DMV) mittlerweile schon fast traditionell zur Vorweihnachtszeit. Hierbei ist jeden Tag vom 1. Dezember bis zum 24. Dezember eine mathematische Knobelaufgabe zu lösen. Die Aufgabenstellung und die Eingabe der Lösung erfolgt online. Dieses Jahr haben sich am Julius-Echter-Gymnasium über 60 Kinder mit Eifer daran beteiligt.
Durch die Teilnahme am Wettbewerb und der regelmäßigen Bearbeitung der Aufgaben verwandelte sich für die Schülerinnen und Schüler Mathematik vom Unterrichtsfach mit Hausaufgaben zu einer spannenden Freizeitbeschäftigung. Ob allein zu Hause, zusammen mit Schulfreunden oder auch mal mit den Eltern, Mathematik wurde zum Gesprächsstoff, und das Knobeln an den abwechslungsreichen Aufgabenstellungen machte Spaß.
Sechs Schüler waren dieses Jahr besonders eifrig und erfolgreich bei der Sache und konnten sämtliche 24 Aufgaben lösen. Alle, die über 22 Aufgaben richtig bearbeitet hatten, erhielten als Preis zum Weiterknobeln noch einen kleinen Zauberwürfel. Einen herzlichen Dank an den JEG-Elternbeirat, der diese Aktion mit einer Spende unterstützt.
Wer gerne selbst Experimente durchführt oder sich über verblüffende physikalische Phänomene Gedanken macht, war beim physikalischen Adventskalender genau richtig. Seit drei Jahren beteiligt sich die Physik-Fachschaft des JEG an diesem Wettbewerb, der seit 2013 von der Georg-August-Universität Göttingen ausgerichtet wird. An jedem Schultag im Advent wird in einem Video ein Experiment vorgestellt, dessen Ausgang nicht gezeigt wird. Die Schülerinnen und Schüler führen dieses Experiment selbst durch und müssen dann eine der vier Möglichkeiten ankreuzen, die als Lösung angeboten werden. Die Materialien werden von der Fachschaft Physik jeden Tag bereitgestellt, so dass die Schülerinnen und Schüler die Experimente sehr schnell aufbauen und ausführen können. Als Lohn gibt es für jeden erfolgreichen Experimentator eine Urkunde.

Schlosser, Heumann

GOPRESENT – von Schülern lernen!

In der Schule lernen Kinder immer nur von ihrer Lehrerin bzw. ihrem Lehrer? Nicht so am Julius-Echter-Gymnasium Elsenfeld, denn da lautet das Motto eben auch „Lernen durch Lehren“, wobei die Schülerinnen und Schüler selbst in die Rolle der Lehrkraft schlüpfen.
Eine Gruppe von Schülerinnen hat sich deshalb zusammengefunden, um die Schülerfirma „GOPRESENT – von Schülern lernen“ mit dem Ziel zu gründen, ihr Wissen über das richtige Präsentieren an andere weiterzugeben. Aus diesem Grund haben sie eine Lehrerfortbildung geplant und durchgeführt. An zwei Tagen kamen über 30 teilnehmende Lehrkräfte des JEG in den Genuss einer Schulung mit dem Titel „Visuelle Rhetorik: PowerPoint, aber richtig“. Anhand zahlreicher Tipps und Tricks erläuterten die Schülerinnen, wie man eine PowerPoint-Präsentation interessant, anschaulich und flexibel gestaltet. Dass die Mädels mit PowerPoint umgehen können, zeigt sich an einem anderen Geschäftsfeld von GOPRESENT, dem „Aufpimpen“ von bereits existierenden Präsentationen. So wurde etwa dem Auftritt des Unternehmens „Hotz – Dialog Marketing“ neuer Glanz verliehen. 

Ein weiterer Schwerpunkt im Portfolio von GOPRESENT ist die Produktion ansprechender Informationsvideos, z.B. für Unternehmen und Vereine. Dabei handelt es sich um kurze, animierte Videos, die ein komplexes Thema anschaulich und unterhaltsam darstellen. Der letzte Auftrag kam vom Softwareunternehmen Agilimo consulting, mit der Bitte, ein Video zu produzieren, das die aktuelle Internetbedrohungslage „log4j“ einfach und verständlich für jedermann erklären soll. Der Erlös aller Einnahmen von GOPRESENT fließt in den Ausbau der Digitalisierungsangebote am JEG.
Das Projekt der Schülerfirma passt perfekt in das Schulprofil, denn als ausgezeichnete „Jugend präsentiert Schule“ beschäftigt sich das JEG seit Jahren sehr erfolgreich mit der Fragestellung, wie man eine anschauliche und adressatenbezogene Präsentation im MINT-Bereich gestaltet. Seit 2015 sind Schülerinnen und Schüler jedes Jahr unter den Top 20 beim Bundesfinale von „Jugend präsentiert“ vertreten, 2016 und 2017 sogar als Gewinner. 

Sie brauchen auch ein Informationsvideo, Ihre Präsentation müsste aufgepeppt werden oder Sie würden gerne eine Schulung buchen? Dann einfach melden!

J. Giegerich

Schulgeschichte(n) von einst und jetzt

50 Jahre Julius-Echter-Gymnasium

Interview mit dem ehemaligen Schulleiter Manfred Geltinger und der amtierenden Schulleiterin Petra Hein

Wie war Schule früher und was ist sie heute? Bereitet sie auf das spätere Leben vor oder stellt  sie lediglich ein Museum anachronistischer Bildungsideale dar? Ist sie der heutigen Zeit vielleicht gar entwachsen? Wer einen Blick in die Vergangenheit wagt, stellt fest, dass Schule einem teilweise radikalen Wandel unterliegt. Ob dieser gut oder schlecht ist, darüber lässt sich reichlich diskutieren. 
Anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Julius-Echter-Gymnasiums Elsenfeld traf sich Schülerreporterin Sabrina Ball für ein Interview mit zwei Personen, die zu diesem Thema viel wissen: Manfred Geltinger leitete das JEG bis ins Jahr 2000, Petra Hein tut dies seit 2019. Initiiert und organisiert wurde das Gespräch von Dr. Bertram Söller, langjähriger Fachbetreuer Deutsch am JEG.

Sabrina Ball: Was hat sich auf den ersten Blick am JEG verändert, Herr Geltinger?
Manfred Geltinger: Ich staune über den Aufzug und den vielen Luxus, etwa die Holzböden. Auch das Lehrerzimmer ist im Gegensatz zu damals sehr groß.
Ball: Und wie wirkt der aktuelle Arbeitsplatz der Schulleitung auf Sie?
Geltinger: Die zwei Computer sind sehr dominant. Ich hatte damals nicht einmal eine Schreibmaschine. Mein Arbeitsplatz war meist voller Papierberge und Aktenordner, wohingegen dieser sehr aufgeräumt und gut strukturiert ist.
Ball: Welchen Herausforderungen mussten Sie beide sich jeweils bei Ihrem Amtsantritt stellen?
Geltinger: Das JEG war damals gerade 14 Jahre alt und in einem desolaten baulichen Zustand: Das Dach war undicht und geteert. Im Sommer ist der durch die Sonne flüssig gewordene Teer deshalb oft in den Pausenhof gelaufen. Das war ein großes Problem.
Petra Hein: Anfangs mit allen Mitgliedern der Schulfamilie in der neuen Position zu kontakten. Dazu zählen Eltern, Schüler, Kollegen und die Verwaltung. Nachdem ich mich kurz eingelebt hatte, war Corona natürlich meine große Herausforderung: Neue Maßstäbe mussten angelegt werden und man konnte auf nichts zurückgreifen, was vorher war. Kreatives, neues Denken und schnelle Entscheidungen waren da gefragt.
Ball: Bereitet Schule Ihrer Meinung nach auf das spätere Leben vor?
Geltinger: Nein. Schule vermittelt zwar viel Wissen, das aber zu detailversessen. Es braucht daher Mut zur Durchforstung der Lehrpläne. Wissen ist heute nur ein Grundwerkzeug; wichtig sind die sozialen Aspekte: etwa der Umgang mit verschiedenen Lehrertypen, die den Schülern später im Leben begegnen können. Auch Klassenfahrten, die als Gemeinschaftserfahrung dienen und das Schultheater waren mir immer ein besonderes Anliegen.
Hein: Wir haben mittlerweile komplexere Handlungsfelder: Das reicht von Werteerziehung und Leitlinien über das Demokratieverständnis bis hin zur alles überschattenden Digitalisierung. Ich sage immer, dass Schule eine Art Trockenübungsplatz für die Gesellschaft ist, wo man das Zusammenleben und den Umgang mit Konflikten übt und Werte vermittelt bekommt. Digitalisierung, Berufsorientierung und die Wertebildung stehen nun zentral. Die Schüler sollen schließlich die Möglichkeit haben, zum mündigen Bürger zu werden.
Ball: Wie beurteilen Sie die Veränderungen, denen die Institution Schule im Laufe der Zeit ausgesetzt war?
Hein: Ich sage nicht, dass früher alles besser war. Jetzt haben die Schüler andere Kompetenzen im Vordergrund und wir haben andere Schwerpunkte. Hinzu kommt auch, dass wir mehr Unterrichtstools besitzen. Das kann man an den modernen Fremdsprachen festmachen: Früher konnten Schüler Originalliteratur super schriftlich übersetzen, heute können sie sich dafür mündlich ausdrücken und präsentieren.
Geltinger: Hinsichtlich der Digitalisierung bin ich eher konservativ eingestellt. Tafel, Kreide, ein guter Lehrer – das ist mir wichtig.
Ball: Was macht einen guten Lehrer aus?
Geltinger: Da gibt es Dreierlei: Er sollte Fachwissen, einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und Humor besitzen.
Hein: Ein guter Lehrer muss ein guter Pädagoge sein und Fachwissen sowie inhaltliche Offenheit besitzen.
Ball: Welche Rolle spielt Schule im Leben eines Schülers?
Geltinger: Schule war zu meiner Schulzeit ein wichtiger Lebensmittelpunkt, ein „Abenteuerspielplatz“. Hier konnte man sich ausprobieren und Autoritäten, die Lehrer, an Grenzen führen. Heute sind die Schüler, das sehe ich auch an meinen Enkeln, wesentlich angepasster.
Hein: Das ist vermutlich individuell. Denn viele Schüler haben mittlerweile ein umfangreiches Freizeitprogramm, wodurch der zeitliche Schwerpunkt sich für sie verschoben hat; aber eben nicht bei allen. Schule bedeutet auch, andere Wertestrukturen kennenzulernen. Es ist nicht der Unterricht, der Schule ausmacht, sondern das ganze Ambiente, mag es langweilig, dröge oder sonst wie sein. Soziale Interaktion – das ist Schule.
Ball: Wie können Lehrer Schüler fördern?
Hein: Indem sie authentisch sind, offen und neugierig bleiben und sich – menschlich wie fachlich gesehen – für ihre Schüler interessieren.
Geltinger: Die Schule soll in erster Linie für die Schüler da sein. Lehrer und Schüler verbringen hier eine wichtige und prägende Zeit miteinander. Die Schüler eignen sich die Fähigkeit der Konfliktlösung an. Lehrer hingegen sollen vor allem Lebensweisheiten vermitteln. Sie sind die Meister im Klassenzimmer; der Stoff ist eher Beiwerk.
Ball: Was ist eigentlich die Hauptaufgabe einer Schulleitung?
Hein: Ich möchte, dass die Leute gerne hier sind. Meine Tür ist immer offen und wenn ich an meinem Schreibtisch sitze, ist hier (Anm. d. Red.: im Büro) bis 16 Uhr dauernd was los. Man hat als Schulleiterin einen dauerhaften Wechsel von Sprechen und Schreiben und damit verbunden einen hohen Aufwand an Bürokratie.
Geltinger: Den Lehrern klarzumachen, dass sie sich nicht wichtig nehmen dürfen. Ihre Aufgaben sind nicht ihr Fach oder die Wissensvermittlung, sondern die Schüler. Es sollen verstärkt soziale Fähigkeiten gefördert werden. Es gab folglich beträchtlich weniger Verwaltungsarbeit als heute.
Könnten Sie beide sich vorstellen, für einen Tag die Rollen zu tauschen?
Hein: Ganz ehrlich, ich kann mir das sehr gut vorstellen. Das wäre für mich zwischenmenschlich und führungspsychologisch eine super interessante Erfahrung.
Geltinger: Meine Zeit ist vorbei.

Frau Hein, Herr Geltinger, vielen Dank für das Interview!

Sabrina Ball