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Autor: Chris Ziegler

„American politics today is more about identity than policy.”

Dr. Markus Hünemörder über „USA Update 2022: A House Divided“

Die USA werden nicht selten als Nation, als geeintes Land porträtiert, das von Zusammenhalt und gleichen Wertehaltungen geprägt ist. Aktuelle Debatten zu den Themen abortion, gun control, racial justice, LGBTQ rights, foreign policy und US economy lassen allerdings Zweifel an der Echtheit und Authentizität dieses Selbstbilds aufkommen. Is America a land divided? Dieser Frage nahm sich Dr. Markus Hünemörder an, der am 28.11.2022 in der Aula des Julius-Echter-Gymnasiums Elsenfeld vor den Jahrgangsstufen 11 und 12 über das Thema „USA Update 2022: A House Divided“ referierte.

2021 und 2022 bilden zwei bedeutsame Jahre in der US-amerikanischen Geschichte: Erst der berüchtigte Sturm des Capitols in Washington nach den von Ex-Präsident Donald Trump angefochtenen Wahlen und dann die diesjährigen Midterm Elections, deren unerwarteter Ausgang ebenfalls allgemeines Aufsehen erregte. Die in Amerika vorherrschende social division und political polarization ist hauptsächlich dem andauernden Wettstreit zwischen den beiden dominierenden Parteien geschuldet: Die Republican Party, die vorzugsweise die ruralen Gebiete Amerikas adressiert und sich auf traditionelle und religiöse Werte beruft sowie die Democrats, die sich als moderne, multiethnische und säkulare Partei versteht, stehen sich seit vielen Jahren in einem Wertekonflikt gegenüber. Die Streitfrage hierbei lautet: Who defines the ´real America´? Durch die aufsehenerregenden Präsidentschaftswahlen 2020 intensivierte sich das ohnehin vorbelastete Verhältnis der beiden Parteien zueinander und gipfelt schließlich in dem bereits genannten „storming of the Capitol“ durch einen wütenden Mob von Trump-Anhängern. Trotz dieses Bruchs demokratischer Werte bekennen sich noch immer 40% der Republikaner als loyal gegenüber Donald Trump und dessen Ideologien. „Unlike Trump, Biden is no great inspirational figure, he is just an unpopular ‘caretaker president’”, so Hünemörders Erklärung für dieses Paradoxon. Es ist kein Geheimnis, dass ein Großteil der Amerikaner von Trumps Nachfolger nicht besonders angetan ist. Man wirft der Biden administration vor, sie habe sich nicht um eine Reform des Wahlrechts bemüht und sich auch nicht anderen „pressing issues“ wie immigration oder gun control angenommen. Vor große Herausforderungen stellt die Biden-Regierung der Russland-Ukraine-Krieg, der die Welt zurzeit in Atem hält, sowie die anhaltend hohe Inflation.  Biden, der Trumps „America First“-Ideologie ablehnt, folge laut Hünemörder einer „Cold war logic“, die unter anderem Sanktionen für Russland und die Unterstützung der Ukraine durch Waffen- und Geldlieferungen vonseiten der USA vorsieht.

Bei all den Herausforderungen, mit denen der Präsident aktuell zu kämpfen hat, rücken diverse Verdienste wie die erfolgreiche Umsetzung des „American Rescue Plan Act“ und des „Inflation Reduction Act“ im Zuge von Bidens „anti-climate change program“ zunehmend in den Hintergrund.

Einen weiteren „dividing factor“ sieht Hünemörder in dem seit Juni 2022 in einigen Staaten geltende gesetzliche Verbot der Abtreibung, welches durch ein Urteil des höchsten Gerichts der USA möglich wurde, indem ein Grundsatzentscheidung zum Abtreibungsrecht („Roe versus Wade“) zurückgenommen wurde. Hünemörder beschreibt die USA in diesem Zusammenhang als „patchwork“, als Flickenteppich, da ein mögliches Verbot oder eine Legitimation der Abtreibung keine landesweite Gültigkeit besitze und somit im Ermessen der einzelnen Bundesstaaten liege.

To put it in a nutshell: Obgleich böse Zungen Joe Biden hinter vorgehaltener Hand als passiv und altersschwach kritisieren, so ist etwa die Zusammensetzung des aktuellen Kabinetts, das sich an einer hohen Frauenquote und Diversität erfreut, sein Verdienst. Das politisch gespaltene Amerika erneut zu vereinen und der voranschreitenden Polarisierung der Gesellschaft entgegenzuwirken – das ist schlussendlich die wohl größte Hürde, die es zu meistern gilt.

Ein besonders großes Dankeschön richtet sich zuletzt an Dr. Markus Hünemörder, der erneut den langen Weg von München bis nach Elsenfeld auf sich genommen hat, um die Oberstufe des JEG bezüglich Amerika ein weiteres Mal umfangreich upzudaten und im Anschluss geduldig die Fragen der Schüler*innen zu beantworten.

Sabrina Ball

Tutorennachmittag am JEG

Spiel und Spaß für die 5. Klassen

Vielfältig und bunt war das Angebot der Tutorinnen und Tutoren am diesjährigen Spiel- und Spaßnachmittag Ende November. Während manche 5. Klässler eher im Kinoraum die Füße hochlegten, andere bei Let’s Dance mit den Tutorinnen coole Choreografien nachtanzten, ließen sich vor allem die Mädchen aus den 5. Klassen die Hände mit Henna bemalen oder sich Perlen in die Haare flechten, die auch diese Woche noch auf den Köpfen zu bewundern waren. Armbänder gestalten oder einfach draußen im Freien mit sportbegeisterten Tutoren kicken stand auch hoch im Kurs. Schön war zu beobachten, dass gerade das gemeinschaftliche Spielen auch sehr attraktiv war, so dass der „Werwolf“ – Raum, in dem in einer großen Gruppe das interaktive Deduktionspiel „Werwolf“ gespielt wurde, stets gut besucht war, wenn es hieß: „Es wird dunkel in Düsterwald…“. Rundum eine lohnende Veranstaltung, für die wirklich viele 5. Klässler am Nachmittag gerne freiwillig länger in der Schule geblieben sind.

Walz

„Wir wollen eure Interessen und eure Anonymität wahren und euch möglichst niederschwellig anbieten, einfach mal über Probleme zu reden.“

Ein Interview mit Susanne Ingenbleek von der „Offenen Schülersprechstunde“ des Julius-Echter-Gymnasiums Elsenfeld

Egal ob Schulstress, Ärger in den eigenen vier Wänden oder andere Sorgen und Probleme: In Situationen, die im Laufe des Lebens leider niemandem erspart bleiben, braucht es ein Ventil, einen Gesprächspartner. Jemand, der zuhört, eventuell ein paar Ratschläge auf Lager hat und der jeweiligen Angelegenheit unvoreingenommen gegenübersteht, Trost spendet und Mut macht. Die 2020 ins Leben gerufene „Offene Schülersprechstunde“ des Julius-Echter-Gymnasiums ist ein ergänzendes Angebot zur schulpsychologischen Beratung, das sich an Schüler und Schülerinnen jeder Jahrgangsstufe wendet. Ausgewählte Lehrkräfte, die auf Wunsch hin für ein unkompliziertes Beratungsgespräch zur Verfügung stehen, nehmen sich geduldig der Sorgen und Probleme der Schüler an. Die Devise: Jedes Gespräch wird streng vertraulich behandelt und richtet sich stets nach den Bedürfnissen des jeweiligen Schülers. Aber wie ist das eigentlich, wenn Lehrer zum persönlichen Ansprechpartner werden?

Schülerreporterin Sabrina Ball (Q12) traf sich am 18.11.2022 mit Susanne Ingenbleek, Lehrerin für Deutsch und Geographie, die neben zehn weiteren Mitgliedern ebenfalls der Offenen Schülersprechstunde angehört, zu einem Interview.

Sabrina Ball: Warum sind Sie der Offenen Schülersprechstunde beigetreten?

Susanne Ingenbleek: Ursprünglich hat Herr Söller Leute gesucht, die Interesse daran haben und bereit sind, freiwillig zusätzliche Zeit für ihre Schüler zu investieren, außerhalb des unterrichtlichen Rahmens. Da schon vorher immer mal wieder Schüler zu mir gekommen sind und das Gespräch gesucht haben, fand ich es eine gute Idee hier mitzumachen. Außerdem kann man sich mit den Schülern unabhängig vom Unterricht auseinandersetzen, was ich ebenfalls sehr spannend finde.

SB: Braucht es hierfür spezielle Kompetenzen bzw. mussten Sie sich auf diesem Feld weiterbilden?

SI: Es braucht im Allgemeinen ganz viel Menschlichkeit, ein gutes Einschätzungs- und Einfühlungsvermögen sowie Empathie. Dann läuft vieles von allein.

SB: Haben Sie das Gefühl, Schülern mit einem Beratungsgespräch grundsätzlich weiterhelfen zu können?

SI: Ja, bei all den Schülern, die von sich aus auf mich zugekommen sind, hatte ich im Nachgang immer das Gefühl, dass es geholfen hat.

SB: Wie sieht ein solches Beratungsgespräch im Allgemeinen aus und was gilt es zu beachten?

SI: Bisher habe ich alle Gespräche ausschließlich in Präsenz geführt. Meist in Freistunden, ansonsten nachmittags. (…) Wir waren oft im Elternsprechzimmer oder in Klassenräumen. Eine vertraute Umgebung kann helfen. Manchmal ist es allerdings besser, wenn man den Ort verändert und z.B. spazieren geht. Wichtig ist, dass man sich auf den Gesprächspartner einlässt, zuhört und zum Reden anregt, dann merkt man, was gut für ihn ist.

SB: Dass die Offene Schülersprechstunde am JEG existiert, ist zum Großteil der Corona-Pandemie und dem Homeschooling, das für viele eine große Herausforderung war, geschuldet. Welche Probleme waren in dieser Zeit besonders präsent?

SI: Viele sonst sehr offene, aktive Kinder sind teilweise in sich gekehrt und verschlossen zurückgekommen. Insbesondere die Fünftklässler hatten unheimlich Probleme damit, sich als Klasse zu finden. (…) Man hat vieles in Bezug auf das soziale Miteinander verlernt und musste sich das wieder mühsam zurückerobern. Auch bei uns Erwachsenen hat es eine Weile gedauert, bis wir wieder in den alten Rhythmus zurückgefunden haben. (…) Ich hatte überdies den Eindruck, dass durch die mangelnde Erfahrung auf beiden Seiten die Menge an Unterrichtsmaterialien teilweise zu hoch war und wir viele Schüler, die sonst im Präsenzunterricht mitkommen, durch die Überforderung verloren haben.

SB: Haben Sie den Eindruck, dass sich die Gründe für ein Beratungsgespräch jetzt, da Corona etwas in den Hintergrund gerückt ist, verändert haben?

SI: Nein. Corona war vorher bei niemandem, mit dem ich gesprochen habe, ein Thema. Es sind vielmehr Probleme normaler Heranwachsender, die sich während der Pandemie zuhause zum Teil verstärkt haben. (…) Meistens geht es um Probleme mit den Eltern und das eigene Verhältnis zur Klasse.

SB: Gibt es nichtsdestotrotz Jahrgangsstufen, die signifikant oft das Gespräch mit einer Lehrkraft wie Ihnen suchen?

SI: Bei mir sind es v.a. Mittelstufenschüler. Ich glaube, dass es im Allgemeinen um Vertrauen aufzubauen damit zusammenhängt, wen man im Unterricht hat und wen nicht.

SB: Ab welchem Punkt verweisen Sie einen Schüler an die Schulpsychologin?

SI: Wenn es mir persönlich zu nahe geht und meine Empathie nicht mehr ausreicht, sondern fachgerecht gehandelt werden muss, weil mir die Ausbildung fehlt. Und wenn aus meiner Sicht eine Gefährdung besteht, die ich nicht mehr auffangen kann.

SB: Denken Sie, dass die Hemmschwelle der Schüler, sich mit ihren Problemen und Sorgen an einen Lehrer zu wenden, nach wie vor hoch ist? Wenn ja, weshalb ist das der Fall und wie kann man Betroffenen die Angst vor dem ersten Schritt nehmen?

SI: Schülern fällt es grundsätzlich schwer, mit einem Lehrer über die eigenen Probleme zu reden. (…) Wir hatten gehofft, ihnen die Angst mit der Einführung einer schriftlichen Kontaktaufnahme über den Schulmanager nehmen zu können. (…) Besonders für die neuen Fünftklässler ist es schwierig, sich nur anhand eines Fotos oder Namens im Flur für eine Lehrkraft zu entscheiden; sie wenden sich eher an die Klassenleiter. (…) Überdies spricht man uns gegenüber nicht gerne über andere Lehrer, die vielleicht ein Teil des Problems sind. (…) Im Gegensatz zu Frau Dr. Strubel sind wir nicht an eine Schweigepflicht gebunden, aber wir halten uns selbstverständlich trotzdem daran; bei Unterhaltungen fallen keine Namen. Außerdem nehmen an der offenen Schülersprechstunde Kollegen teil, denen ich vertrauen würde und die nicht einfach so ausgesucht wurden oder mitmachen wollten. Wir wollen schließlich eure Interessen wahren und euch möglichst niederschwellig anbieten, einfach mal über Probleme zu reden.

SB: Das Themenfeld psychische Erkrankungen wird leider nach wie vor tabuisiert. Die Offene Schülersprechstunde will dem entgegenwirken – und das ist gut so. Meistens mangelt es sowohl den Betroffenen als auch deren Umfeld an dem nötigen Wissen im Umgang mit ebensolchen Krankheiten. Leistet das JEG in diesem Bereich bereits Aufklärungsarbeit?

SI: Durch den Lehrplan verschiedener Fächer werden Depression, Sucht- und Alkoholprobleme im Unterricht thematisiert. (…) Im Rahmen der Suchtprävention finden immer wieder Veranstaltungen zu den Themen Alkohol- und Drogenmissbrauch, Magersucht sowie Kopfschmerz statt. Das neue Projekt des „Achtsamkeitskoffers“ von Fr. Walz hilft sicherlich dabei mit Anspannung umzugehen (…). Es können aber immer nur punktuell Sachen gezeigt werden (…). Deshalb ist es wichtig, auch die Kollegen zu sensibilisieren, damit betroffene Schüler auffallen und evtl. gezielt angesprochen werden können. (…) Die Belastung der Schüler ist groß, schließlich spielt ihnen die Gesellschaft vor, sich immer optimieren, immer leistungsbereit sein zu müssen und an ihrem Körper zu arbeiten. Die Sozialen Medien machen es nicht besser: Man sieht perfekt aus – wie auf Instagram und Co. eben. Sobald ich da nicht reinpasse, muss ich erstmal das Selbstvertrauen haben, zu sagen: Na und? So bin ich halt. Das klappt bei vielen nicht, weshalb ich unsere Aufgabe darin sehe, euch dieses Selbstvertrauen mit auf den Weg zu geben.

SB: Letzte Frage: Welche Tipps können Sie Schülern, die beispielsweise unter Prüfungs- oder Präsentationsangst leiden, mit auf den Weg geben?

SI: Ein erster Tipp ist das laute Sprechen und Üben zu Hause, denn je sicherer ich bin, desto weniger nervös werde ich. (…) Bei Prüfungsangst hat mir mein Vater immer gesagt: „Wenn du das Gefühl hast, genug gelernt und vorbereitet zu haben, dann ist es gut, auch wenn es am Ende nicht abgefragt wird oder nicht genügt. Wenn ich mich darauf verlassen kann, dann ist eine schlechte Note kein Beinbruch.“ Diese Sicherheit hat mir immer Mut gemacht. (…). Man muss akzeptieren, dass Sachen manchmal nicht 100-prozentig laufen können, weil keiner perfekt ist.

SB: Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für das Interview genommen haben!

SI: Sehr gerne!

Das Interview führte Sabrina Ball.