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Ein Theaterabend voller Bücherzauber: „Tintenherz“ am Julius-Echter-Gymnasium

09. Juli 2026

Am Dienstag, dem 7. Juli, brachte die Mittelstufen-Theatergruppe des Julius-Echter-Gymnasiums um 19 Uhr in der Aula das Stück Tintenherz nach dem gleichnamigen Roman von Cornelia Funke auf die Bühne. Die vielen großen und kleinen Zuschauer durften nicht nur ein spannendes Theaterstück erleben, sondern vor allem die Spielfreude des Ensembles unter der Leitung von Lone Wulff.

Im Mittelpunkt steht die zwölfjährige Meggie, dargestellt von Mia Müller, die mit ihrem Vater Mo, einem Buchbinder, lebt. Emma Eisert gab in ihrer Rolle als Mo diesem als zurückhaltendem, von einem alten Geheimnis belasteten Vater eine unverwechselbare Kontur. Schon zu Beginn machte die Inszenierung deutlich, dass in dieser Geschichte Bücher mehr sind als bloße Gegenstände: Aus ihnen kann Wirklichkeit werden.

Ein geheimnisvolles Buch

In einer stürmischen Nacht taucht der Gaukler Staubfinger auf. Maria Schäfer spielte ihn geheimnisvoll und zwielichtig, ohne seine innere Zerrissenheit zu überzeichnen. Staubfinger warnt Mo vor Capricorn, und schon am nächsten Morgen bricht Mo mit Meggie überstürzt zu Tante Elinor auf. Greta Wengerter sorgte als bücherverliebte, kinderfeindliche und herrlich direkte Elinor für viele komische Momente, besonders mit ihrem wiederkehrenden „verflixte Kiste“.

In Elinors Bibliothek versteckt Mo ein besonderes Buch: Tintenherz. Bald wird klar, dass der Bösewicht Capricorn genau dieses Buch sucht. Seine Handlanger Basta, gespielt von Mizzi Even, und Flachnase (Rahel Hayward), ergänzten diese Bedrohung durch ihr pointiertes Zusammenspiel. Als Capricorns Männer das falsche Buch stehlen und Mo entführen, nimmt die Rettungsaktion ihren Lauf. Besonders gelungen war hier die szenische Umsetzung der Fahrt zu Capricorns Dorf. Dank einfacher, aber wirkungsvoller Regieeinfälle wurde diese Reise zu einem Highlight der Aufführung.

Im Dorf verdichtet sich die Handlung. Felix Dominik verkörperte Capricorn mit düsterer Präsenz als jemanden, der sich als Meister des Angstmachens begreift. Die gruselige Kulisse unterstützte die bedrohliche Atmosphäre wirkungsvoll. Dort erfahren Meggie und Elinor, warum Mo „Zauberzunge“ genannt wird: Wenn er laut aus einem Buch vorliest, können Figuren und Gegenstände aus der Geschichte in die reale Welt gelangen. Vor elf Jahren hatte Mo auf diese Weise Capricorn und einige seiner Gefährten aus Tintenherz herausgelesen; gleichzeitig verschwand Meggies Mutter Resa in der Buchwelt. Lily Kraske, die sowohl als Erzählerin als auch als Resa auftrat, verband geschickt die Rahmenhandlung und beindruckte gleichermaßen in beiden Rollen.

Kampf dem Bösewicht

Als Mo erneut vorlesen muss, erscheint Farid, ein Junge aus 1001 Nacht, den Paula Kern facettenreich verkörperte; besonders ihr penetrantes Verfolgen Staubfingers erheiterte das Publikum. Gleichzeitig wurde Staubfingers Rolle vielschichtiger: Er ist kein normaler Gaukler, sondern selbst eine Figur aus der Bücherwelt, die nach Hause zurückkehren möchte und auf eigene Weise gegen Capricorn kämpft.

Die Suche führt die Figuren schließlich zu Fenoglio, dem Autor von Tintenherz, dessen Schrulligkeit Greta Pöhner überaus gelungen darstellte. In diesen Szenen sprühte die Inszenierung erneut vor Einfallsreichtum: Warmes Licht und Meeresklänge ließen das sonnige Italien entstehen, ohne dass große Umbauten nötig waren. Hier zeigte das Technik-Team des JEG von Sebastian Tausch einmal mehr, was es alles drauf hat.

Als klar wird, dass Capricorn in Fenoglios ursprünglicher Geschichte gar nicht stirbt, muss ein neuer Plan her. Capricorn will Mo außerdem zwingen, den Schatten, eine besonders gefährliche Gestalt, aus der Geschichte herauszulesen. In dieser Zuspitzung entdeckt Meggie, dass auch sie die Gabe des Vorlesens besitzt. Mia Müller spielte diesen Moment überzeugend als Mischung aus Angst, Staunen und wachsendem Mut.

Tobender Schlussapplaus

Im Showdown in Capricorns Hauptquartier kommt diese Gabe entscheidend zum Einsatz. Durch ein neu geschriebenes Ende wird Capricorn buchstäblich zu Tode gelesen, und Resa entpuppt sich als Meggies lange verschwundene Mutter. So findet die Geschichte zu einem Happy End, ohne dass die Sehnsucht Staubfingers nach seiner eigenen Welt ganz verschwindet.

Am Ende belohnte das Publikum die Mittelstufen-Theatergruppe mit tobendem Applaus. Die Aufführung war eine gelungene Hommage an die Macht der Bücher, an die Fantasie und an das Lesen selbst – und zugleich ein eindrucksvoller Beweis dafür, wie viel Spielfreude in einem engagierten Schulensemble stecken kann.

Thum