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„Die Brüder Himmler“ – Spurensuche in einer belasteten Familiengeschichte am JEG

09. Juli 2026

Bei sommerlich warmem Wetter durften wir am 8. Juli 2026 am Julius-Echter-Gymnasium eine besondere Referentin begrüßen: Katrin Himmler, Politikwissenschaftlerin, Autorin und Großnichte des „Reichsführers SS“ Heinrich Himmler. Für den Vortrag war sie eigens aus Berlin angereist, um mit den Schülerinnen und Schülern der 11. und 12. Jahrgangsstufe über ihre Familiengeschichte und den Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit ins Gespräch zu kommen.

Zu Beginn der Veranstaltung begrüßte Schulleiterin Frau Hein unseren Gast und führte mit einer kurzen Einführung in das Thema ein. Anschließend nahm Katrin Himmler die Zuhörerinnen und Zuhörer mit auf eine ebenso persönliche wie wissenschaftlich fundierte Spurensuche durch ihre Familiengeschichte.

Ausgangspunkt ihrer Recherchen war ein prägendes Erlebnis in ihrer Jugend: Als sie im Alter von 15 Jahren auf eine mögliche Verwandtschaft mit Heinrich Himmler angesprochen wurde, blieb eine pädagogische Einordnung durch ihre Lehrkräfte aus – ein Schweigen, das sie bis heute als vertane Chance empfindet.

Gegen das Verdrängen

Jahre später machte es sich die studierte Politikwissenschaftlerin zur Aufgabe, dieses Schweigen zu durchbrechen. In ihrem 2005 erschienenen Buch Die Brüder Himmler veröffentlichte sie die Ergebnisse jahrelanger Archivrecherchen. Dabei zeigte sie eindrucksvoll auf, dass Heinrich Himmler keineswegs das einzige „schwarze Schaf“ einer ansonsten unbescholtenen Familie war. Vielmehr waren auch seine Brüder sowie zahlreiche weitere Angehörige bereits früh Mitglieder der NSDAP und der SS.

Besonders eindrucksvoll schilderte Katrin Himmler, dass ihre Recherchen nicht nur historische Erkenntnisse zutage förderten, sondern sie ihren Vorfahren auch menschlich näherbrachten. So sagte sie: „Je mehr ich mich mit meinen Vorfahren auseinandergesetzt habe, desto näher sind sie mir gekommen. Menschen sind ja nicht einfach gut oder böse. Es hängt von vielen Einflüssen ab, wie sich jemand in gewissen Situationen entscheidet.“

Gerade diese differenzierte Sichtweise eröffnete den Schülern einen reflektierten Zugang zu den Fragen nach individueller Verantwortung, gesellschaftlichen Einflüssen und den Mechanismen von Radikalisierung. Im Mittelpunkt standen dabei unter anderem folgende Fragen:

Warum übte der Nationalsozialismus eine solche Anziehungskraft auf eine scheinbar „normale“ bürgerliche Familie aus?

Wie konnte aus einer unauffälligen Kindheit eine Entwicklung entstehen, die schließlich in der Mitverantwortung für den industriell organisierten Massenmord an der europäischen jüdischen Bevölkerung mündete?

Dialog mit der nächsten Generation

Besonders bereichernd war der zweite Teil der Veranstaltung. In einer ausführlichen Fragerunde stellten die Schülerinnen und Schüler differenzierte und durchdachte Fragen. Dabei interessierten sie sich nicht nur für weitere Hintergründe zur Familiengeschichte der Familie Himmler, sondern auch für das Thema Rechtsextremismus in der Gegenwart. Ebenso fragten sie nach Frau Himmlers persönlicher Einschätzung zur aktuellen politischen Lage aus der Perspektive einer Politikwissenschaftlerin sowie danach, ob sie während ihrer jahrelangen Recherchen auf Erkenntnisse gestoßen sei, die sie selbst überrascht hätten.

Der offene Austausch machte deutlich, wie groß das Interesse der Jugendlichen an historischer Aufarbeitung und den Bezügen zur Gegenwart ist. Katrin Himmler gelang es eindrucksvoll, die Bedeutung einer lebendigen Erinnerungskultur zu vermitteln und die Schülerinnen und Schüler zum kritischen Nachdenken anzuregen.

Für diesen bewegenden und erkenntnisreichen Vormittag bedanken wir uns herzlich bei Frau Himmler für ihren Besuch, ihre Offenheit und ihre Bereitschaft, den weiten Weg aus Berlin auf sich zu nehmen.

Ein ebenso herzlicher Dank gilt dem Freundeskreis des JEG, der den Vortrag vollständig finanziert und damit allen Schülerinnen und Schülern die Teilnahme ermöglicht hat. Außerdem danken wir unserem Technikteam sowie unserem Hausmeister für den reibungslosen Auf- und Abbau der Technik und der Bestuhlung und damit für die organisatorische Unterstützung dieser gelungenen Veranstaltung.

Nickel