Zum Hauptinhalt springen

ERASMUS+ Projekt in Spanien: Inklusion und Vielfalt

24. Juli 2026

Sechs Teilnehmerinnen am diesjährigen Spanienaustausch stellen unser Projekt vor

Auf dem Schulfest am 10.Juli hatten die Besucher dieses Jahr die Möglichkeit, von sechs Mädchen der 10.Jahrgangsstufe durch zwei Live-Vorträge einen Einblick in deren persönliche Erfahrungen vom Spanienaustausch im April 2026 zu bekommen. Im Fokus des Erfahrungsberichts stand neben Erlebnissen in den Gastfamilien, im Unterrichtsalltag und bei den Ausflügen nach Sevilla und Cádiz auch das durchgeführte Projekt im Rahmen von ERASMUS+.

Vom 11.April – 18.April 2026 hatten 16 Schülerinnen der 10.Klassen des JEG ihren Gegenbesuch in Andalusien angetreten, nachdem sie bereits im Januar von ihren Austauschpartnern in Deutschland besucht worden waren. Empfangen wurden sie am Abend des Anreisetags von ihren spanischen Gastfamilien, bei denen sie während der Woche in Barbate, einer Kleinstadt an der malerischen Costa de la Luz, wohnten. Neben den gemeinsamen Tagesausflügen, Nachmittagen am Strand, dem Kennenlernen der spanischen Lebensweise und den Schultagen an der Partnerschule I.E.S. Vicente Aleixandre stand dieses Jahr auch ein besonderes Projekt der Schülerinnen im Mittelpunkt, das dem Thema „Umsetzung der Inklusion an der spanischen Gastschule und im Gastland“ gewidmet war. Die deutschen Teilnehmerinnen führten hierfür Interviews mit Lehrkräften sowie mit mehreren Schülerinnen und Schülern der an der Gastschule eingerichteten Förderklasse „Aula Alegría“ durch.

Eine Teilgruppe unserer Schülerinnen durfte Fernando (in Spanien werden die Lehrkräfte von den Schülern geduzt und mit Vornamen angesprochen!), eine Fachkraft mit heilpädagogischer Ausbildung, beim Begleiten einzelner Inklusionskinder bei deren Teilnahme am Unterricht in der Regelklasse über die Schulter schauen. Fernando stellte dabei verschiedene angepasste Lernmaterialien, Förderpläne, Strukturierungshilfen und Möglichkeiten zur Selbstregulation der Inklusionsschüler vor und beantwortete bereitwillig, anschaulich und ausführlich die Fragen, die die deutschen Schülerinnen ihm stellten und welche sie bereits vor der Reise im Unterricht in spanischer Sprache formuliert hatten. So erfuhren sie beispielsweise, welche unterschiedlichen pädagogischen Fachkräfte für die Umsetzung der Inklusion an der Partnerschule arbeiten oder welche Arten von Einschränkungen oder Behinderungen die Schüler/-innen der „Aula Alegría“ haben, beispielsweise Sehstörungen, Lernbehinderung, ADHS, Autismus-Spektrum-Störung oder geistige Behinderung. Bei der Unterrichtsbeobachtung der Inklusionskinder in der Regelklasse und durch die Gespräche mit den Lehrkräften entstand ein lebendiger Eindruck davon, wie Inklusion im spanischen Schulsystem umgesetzt wird.

Die andere Teilgruppe unserer deutschen Austauschteilnehmerinnen hatte die Möglichkeit, die sechs Jugendlichen im Alter von 12 – 21 Jahren der Förderklasse „Aula Alegría“ in deren Lern- und Unterrichtsräumen zu besuchen und zu interviewen. Dort lernten sie auch das pädagogische Personal kennen, das in dieser Klasse unterrichtet und die Schüler/-innen im Schulalltag unterstützt. Die Fragerunden mit den einzelnen Schülern fanden in zwei Gruppen statt. Zunächst stellten sich die spanischen Schüler/-innen mit Namen und Alter vor, was bereits einige von ihnen vor erste Herausforderungen stellte, weil sie sich beispielsweise schwer artikulieren konnten oder sich gegenüber Fremden sehr zurückhaltend verhielten. Andere wiederum zeigten großes Interesse an den deutschen Gästen und berichteten gerne von ihren Lieblingsfächern (häufig genannt wurden hier Sport und Musik), von den gemeinsamen Aktivitäten mit ihren Klassenkameraden (Kochen, Videos drehen, Fußball spielen, Ausflüge machen) oder von ihren selbstgedrehten Kurzfilmen, für die sie sogar schon eine Auszeichnung bei einem Festival erhalten haben.

Doch auch an den Ausflugstagen und während der Freizeit in Barbate hielten die Austauschteilnehmerinnen die Augen danach offen, wie Inklusion in Spanien gelebt wird. Und sie wurden vielfach fündig: angefangen von Bodenmarkierungen für blinde und sehbehinderte Menschen in allen besuchten Städten über Behindertentoiletten, Behindertenparkplätze, spezielle Einkaufswägen für Rollstuhlfahrer, Rollstuhlrampen an Straßenbahnhaltestellen, in Hauseingängen oder an den Eingängen von Bars und Geschäften, reservierte Restauranttische oder Umkleidekabinen am Strand für Rollstuhlfahrer, bis hin zu speziellem Servicepersonal für mobilitätseingeschränkte Personen am Flughafen von Jerez de la Frontera. Dokumentiert wurden alle Entdeckungen mit zahlreichen Fotos, die am Ende der Austauschwoche gesammelt wurden.

Abgeschlossen wurde die Projektarbeit durch einen Vergleich der Umsetzung von Inklusion an unserer spanischen Partnerschule mit der Umsetzung bei uns am Julius-Echter-Gymnasium und im bayerischen Schulsystem. Als Fazit konnte gezogen werden, dass in Spanien in der Regel nur Schüler mit sehr schweren geistigen oder körperlichen Einschränkungen auf eine spezielle Förderschule gehen, während in Bayern häufig auch Kinder und Jugendliche mit weniger schweren Behinderungen ein sonderpädagogisches Förderzentrum besuchen. Gerade am Gymnasium finden sich im Vergleich zur spanischen Gesamtschule verhältnismäßig wenige Schüler/-innen mit Einschränkungen.

Insgesamt war die Projektarbeit ein voller Erfolg und eine wertvolle Erfahrung für alle Beteiligten auf beiden Seiten. Sie hat nicht nur den Blick auf inklusive Bildung und menschliche Verschiedenartigkeit am JEG, in Deutschland und in Europa geweitet, sondern auch vielfältige interkulturelle und soziale Begegnungen ermöglicht.

Hanl