Zweiter Poetry Slam am JEG

Zum zweiten Mal fand in der Aula des Julius-Echter-Gymnasiums Elsenfeld ein Poetry Slam statt. Am 20. Januar um 18 Uhr stellten vier kreative junge Menschen ihre Texte einem begeisterten Publikum vor.
Schulleiterin Petra Hein zollte in ihrer Begrüßung den teilnehmenden Jugendlichen ihren Respekt dafür, dass sie den Mut haben, eigene, zum Teil sehr persönliche Texte vorzutragen. Hut ab! Als Moderatorenduo führten Lea Bachmann und Lilly Elzenheimer aus der Q 13 des JEG, beide selbst erfahrene Slammerinnen, souverän durchs Programm. Zu Beginn erklärten sie die Regeln: Es sollten nur eigene Texte präsentiert werden, und zwar innerhalb von 5 Minuten. Es gab zwei Runden; die Bewertung erfolgte durch das Publikum.
Zum Einstieg trug Lea Bachmann einen eigenen Slam mit dem Titel „Zwischen Pixeln und Erinnerungen“ vor. Dabei machte sie sich Gedanken um das Vergehen der Zeit und was am Ende von all den vielen Momentaufnahmen, die man auf dem Handy gespeichert hat, wirklich in Erinnerung bleibt. Josephine Verführt, die im letzten Jahr den Poetry Slam am JEG ins Leben gerufen hat, ist extra aus Trier angereist. Ihrem Beitrag „Ich hasse mich“ merkte man die Entstehungszeit während des Corona-Lockdowns an, denn die Beschäftigung mit vermeintlichen Unzulänglichkeiten rund um die eigene Körperlichkeit passte nur zu gut in diesen Zeitraum erzwungener Bewegungslosigkeit. Zum ersten Mal dabei ist Lizzy Fischermann vom JEG. Zur Freude aller Deutschlehrer bekannte sie, auf die Idee zu ihrem Text durch die Lektüre das Dramas „Faust“ gekommen zu sein. Ihr Text kreiste denn auch um existentielle Sorgen und Nöte, metaphorisch eingekleidet u. a. in eine Variation des Mythos von Narziss. Adelheid Stauder vom Miltenberger Butzbach-Gymnasium hatte sich in ihrem Slam vorgenommen, all den tollen Menschen zu danken, denen sie vielleicht noch ein Dankeschön schuldig ist. Ihr temporeicher Text war sicherlich einer der Höhepunkte des Abends. Zuletzt betrat Pelaja Aucello aus Aschaffenburg die Bühne, im Gepäck gleich zwei Texte, zwischen denen das Publikum wählen durfte. Der gekürte Beitrag hatte es in sich: An die Adresse der Erwachsenen gerichtet rechnete Pelaja schonungslos mit aktuellen politischen Fehlentwicklungen, insbesondere dem Erstarken autoritärer Bewegungen, ab. Mit einem Appell für Toleranz, Gleichheit und für den Respekt vor den Menschenrechten einer jeden Person endete dieser politischste Beitrag des Abends.
Bevor dann im Finale die beiden besten Teilnehmerinnen Lizzy und Adelheid gegeneinander antraten, wartete die Organisatorin Lilly Elzenheimer mit einem eigenen Slam auf; im Zwiegespräch mit einem lyrischen Du entwickelte sie Gedanken über das Zusammensein, das „eher so auf Standby“ verlaufe, so ihr Titel.
In Adelheids zweitem Text „Perfekt“ drehte sich alles um den Perfektionswahn, der ganz vergessen lässt, dass „Unebenheiten eben auch ihre schönen Seiten“ haben. Bei Lizzy dann „Gedanken auf dem Weg“: Wie im Titel angedeutet, thematisierte sie in ausdrucksstarken Bildern Verlustgefühle, die sich sozusagen beim gedankenverlorenen Umherschweifen einstellen.
Am Schluss entschied der Publikumsapplaus, der bei beiden Finalistinnen fast gleich stark aufbrandete, sodass eine kurze Beratung der Moderatorinnen notwendig wurde. Die Siegerin des Abends hieß dann Lizzy Fischermann. Gewonnen haben aber auch alle Zuhörenden, die dank der ideenreichen und vielstimmigen Beiträge gut unterhalten und vielleicht sogar zum Nachdenken angeregt wurden.
Thum






