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Sicherheitspolitik angesichts aktueller Unsicherheit

26. Jan.. 2026

Vortrag des Jugendoffiziers am JEG

Am 13. Januar 2026 begrüßte Schulleiterin Petra Hein den Jugendoffizier der Bundeswehr, Hauptmann Laurin Sachße, am Julius-Echter-Gymnasium Elsenfeld. Vor den Schülerinnen und Schülern der Q12 referierte er über das Thema Sicherheitspolitik und gewährte dabei spannende Einblicke in die zukünftigen Herausforderungen für die Sicherheit der Bundesrepublik. Organisiert hatte die Veranstaltung Susanne Pfefferer im Rahmen des Fachs Politik und Gesellschaft.

Nach einer kurzen Einführung startete Hauptmann Sachße mit der zentralen Frage: Warum ist Sicherheitspolitik wichtig? Eine beklemmende Antwort darauf liefert der aktuelle Weltrisikobericht, der ein Bündel an möglichen Bedrohungsszenarien anführt, welche in zehn Jahren auf uns zukommen könnten – von den Folgen des Klimawandels bis hin zum Cyberwar. Aber auch der globale Anstieg an Falsch- und Desinformationskampagnen sei eine sicherheitspolitische Herausforderung. Jeder Punkt hängt mit den anderen zusammen. Deswegen betonte Sachße, dass eine funktionierende Demokratie informierte Bürgerinnen und Bürger braucht, die sich mit solchen Themen auseinandersetzen, um sich eine fundierte eigene Meinung zu bilden.

Internationale Zusammenarbeit und kollektive Sicherheit

Ein Schwerpunkt des Vortrags lag auf den internationalen Systemen der kollektiven Sicherheit. Internationale Organisationen wie EU, UNO, NATO und OSZE haben dabei eine Gemeinsamkeit: Sie wurden alle als Reaktion auf die Schrecken des Zweiten Weltkriegs ins Leben gerufen. Die Bundesrepublik hat seit ihrem Bestehen von diesen Institutionen entscheidend profitiert. Hauptmann Sachße hob hervor, dass diese vor allem in Krisenzeiten unverzichtbar sind. Er thematisierte auch die Bedeutung von Kooperation, selbst mit schwierigen Partnern, und betonte, dass nach Konflikten stets neue Wege der Zusammenarbeit gefunden werden müssen, um langfristig Frieden zu sichern. Insbesondere das Agieren der drei einflussreichsten Staatschefs – Wladimir Putin, Donald Trump und Xi Jinping – trägt nicht eben zur Beruhigung der Weltlage bei. Ihre politischen Entscheidungen und strategischen Interessen gefährden in unterschiedlichen Ausmaß die globale Sicherheitslage und stellen die internationale Gemeinschaft vor komplexe Probleme.

Im Zuge dieser internationalen Entwicklungen gewinnen neue Zusammenschlüsse wie BRICS und CRINK zunehmend an Bedeutung. Während BRICS für Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika steht, umfasst das Akronym CRINK die Staaten China, Russland, Iran und Nordkorea. Diese Gruppierungen verfolgen eigene sicherheitspolitische und wirtschaftliche Interessen; vor allem die CRINK-Staaten stellen dabei eine ernst zu nehmende Bedrohung für den Weltfrieden dar, wie der Krieg in der Ukraine zeigt. Am Beispiel dieses Konflikts erläuterte Sachße, wie sich die Kriegsführung durch technologische Innovationen verändert. Nach den anfänglichen Panzergefechten ist der Konflikt mittlerweile zu einem Grabenkrieg erstarrt, bei dem Artillerie, Raketen und Drohnen eine zentrale Rolle spielen.

Wegen dieser veränderten Weltlage sieht sich die Bundeswehr mit einer Vielzahl möglicher Bedrohungsszenarien konfrontiert, deren Eintritt heute noch nicht eindeutig vorhersehbar ist. Die Bandbreite reicht von konventionellen militärischen Angriffen bis hin zu hybriden Gefahren wie Cyberangriffen und Desinformationskampagnen. Die Unsicherheit über die konkrete Ausgestaltung dieser Risiken erfordert eine flexible und vorausschauende sicherheitspolitische Planung. Die Brisanz der Sicherheitslage in Europa illustriert Sachße mit einem Zitat von Carsten Breuer, dem Generalinspekteur der Bundeswehr: „Wir haben nicht mehr Frieden und nicht ganz Krieg.“

Landes- und Bündnisverteidigung: Die BRD als „Drehscheibe“

Sollte der Bündnisfall eintreten und sich die NATO in einem militärischen Konflikt befinden, ist Deutschland als Transitland von zentraler Bedeutung. Die logistische Unterstützung erfolgt dabei nicht nur durch militärische, sondern auch durch zivile Unternehmen wie Spediteure und die Deutsche Bahn. Deutschland fungiert im Krisenfall als „Drehscheibe“ für den Transport von Material und Personal innerhalb Europas und hat damit maßgeblichen Anteil am Gelingen kollektiver Sicherheit. Ein weiterer Aspekt betrifft die Frage, ob Deutschland dann ausreichend auf die Versorgung von Flüchtlingen, Kriegsgefangenen, Verwundeten und Gefallenen vorbereitet ist. Dies umfasst beispielsweise die Verfügbarkeit von Krankenhausbetten und die Organisation der medizinischen Versorgung im Falle eines größeren Konflikts.

Auf ein zentrales Anliegen seines Vortrags kam Sachße immer wieder zu sprechen: In einer Demokratie geht es darum, die Meinungsvielfalt zu bewahren, Desinformation entgegenzuwirken und die Kompromissfähigkeit innerhalb der Gesellschaft zu stärken. Diese Aspekte sind entscheidend, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt und Resilienz zu gewährleisten – gerade in einer Zeit, in der die Störmanöver Russlands in Europa eine zunehmende Bedrohung darstellen. Besonders wurde betont, dass der Einsatz der Bundeswehr stets das letzte Mittel der Wahl bleiben muss. Militärische Interventionen dürfen erst dann in Betracht gezogen werden, wenn alle anderen diplomatischen und politischen Möglichkeiten ausgeschöpft sind.

Als abschließenden Gedanken griff Sachße die Figur des Kairos aus der griechischen Mythologie auf, die für das Ergreifen günstiger Gelegenheiten steht. Denn angesichts der gefährlicher werdenden Sicherheitslage dürfe nun nicht weiter gezaudert werden, sondern Deutschland müsse sich entschlossen diesen Herausforderungen stellen.

Im Anschluss an den Vortrag fand eine lebhafte Fragerunde statt, in der sich viele interessierte Schülerinnen und Schüler zu Wort meldeten. Hauptmann Sachße nahm sich die Zeit, auf jede einzelne Frage ausführlich und differenziert einzugehen. Besonders bei der Frage nach der deutschen Verteidigungsfähigkeit lieferte er eine vielschichtige Antwort: Einerseits gab er teilweise Entwarnung, andererseits wies er auf Erfolge Russlands bei dem Bemühen um eine Vertiefung der Uneinigkeit innerhalb der Europäischen Union hin.

Neff/Thum