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„Der Gestank der Freiheit“: Lesung mit Christoph Söller am JEG

08. Jan.. 2026

Die Freiheiten der Französischen Revolution, erkauft mit Armut, Leid und Tod? Dieser Frage ging der Journalist und Autor Christoph Söller am 16. Dezember bei seiner Lesung vor Schülerinnen und Schülern der 12. Jahrgangsstufe am Julius-Echter-Gymnasium auf den Grund. Sein Debütroman „Der Gestank der Freiheit“ spielt im Europa des Jahres 1805 zur Zeit der Napoleonischen Kriege.

Söller, der hauptberuflich als Journalist für das ZDF tätig ist, wagte mit diesem Buch seinen ersten Schritt in die Belletristik. Genau recherchierte historische Fakten und eine emotional mitreißende Handlung sind dabei die großen Stärken des Romans. In seiner Lesung konzentrierte der Autor sich auf das Schicksal von Thibaut Dubois, einem jungen französischen Bauernsohn, der sich zunächst euphorisch der Armee Napoleons anschließt. Solidarität mit den Kameraden ist das Leitmotiv des Protagonisten, während Ruhm und Ehre ihn wenig kümmern. „Ein Held zu werden hatte er nicht im Sinn, nachdem er sein Dorf verlassen hat“, heißt es an einer Stelle des Textes. Der raue Umgangston der Soldaten, die harte Disziplin, aber auch das Gefühl des Außenseitertums eines Neulings – Söller gelingt es, den Erfahrungsraum des frühen 19. Jahrhunderts glaubwürdig und facettenreich zu reproduzieren.

Erfrischend dabei die Perspektive Thibauts, dessen Gedanken und Emotionen bei den Schülerinnen und Schülern auf breites Mitgefühl stießen. Euphorie, Verliebtheit und ein naiver Glaube an eine bessere Zukunft prägen den Beginn des Romans, doch dieser Ton kippt schnell. Im weiteren Verlauf verändert sich der Blick des Protagonisten auf den Feldzug in Deutschland grundlegend. Plünderungen, Gewissensbisse und die Erkenntnis, dass Gewalt ein fester Bestandteil des Krieges ist, lassen die anfängliche Euphorie zerbrechen. Der Tod wird zu einem ständigen Begleiter. Gefallene Kameraden, zerstörte Dörfer und eine erhängte Frau inmitten winterlicher Kälte – Söller findet einprägsame Bilder für die Grausamkeiten des Krieges. Eine wesentliche Erkenntnis des Romans wird in einem Dialog zwischen zwei Soldaten deutlich. Auf die Frage, ob er den Tod fürchte, folgt die Antwort: „Ja, ich glaube, es ist eine Frage des Respekts.“ Der Tod, so wird deutlich, verändert jeden, der ihm zu lange ausgesetzt ist.

In der anschließenden Fragerunde gab Söller bereitwillig Auskunft über die Entstehung des Romans. Etwa drei bis fünf Jahre habe der Schreibprozess gedauert, meist nebenbei, ohne festen Schreibplan. Die Französische Revolution sei zwar zeitlich weit entfernt, habe jedoch einen starken Bezug zur Gegenwart. Krieg, erklärte Christoph Söller den interessierten Schülerinnen und Schülern , sei damals ein gängiges politisches Mittel gewesen, während heute Diplomatie als Eckpfeiler politischen Handelns erachtet werde; das gerate aber leider zunehmend in Vergessenheit. Der Romanerstling fand schließlich nach einigen Anläufen seinen Weg in den Druck. Der Titel „Der Gestank der Freiheit“ ist gut gewählt, so das Fazit am Ende der Lesung am JEG. Denn in dem Buch wird bewusst nichts schön geredet und verharmlost, sondern das Narrativ von Napoleon als nachrevolutionärem Befreier wird hinterfragt und das welthistorisch bedeutsame Geschehen des Jahres 1805 aus der Sicht der Romanfiguren, darunter der einfache Soldat Dubois, spannend neu erzählt.

Neugierig geworden? In der JEG-Schulbücherei könnt ihr euch den Roman ausleihen.

Hailie Neff