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Imre Török (2019)

„Die Königin von Ägypten in Berlin“ – Lesung des Schriftstellers Imre Török am JEG

Der 15. Februar war am Julius-Echter-Gymnasium nicht nur der mehr oder weniger ersehnte Termin für die Zwischenzeugnisse, sondern für die Schülerinnen und Schüler der 9. Jahrgangsstufe Plus außerdem mit einer besonderen Veranstaltung verbunden: Der Schriftsteller Imre Török las aus seinem Roman „Die Königin von Ägypten in Berlin“ vor. Sein Kommen war dem Kongress des Verbands deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS) in Aschaffenburg zu verdanken, zu dessen Programm diese und weitere Schullesungen gehörten.

Imre Török engagierte sich lange als Bundesvorsitzender für den VS. Sein Tun fasste er dabei auch politisch auf. So reiste er 2015 zusammen mit einer Gruppe kurdischer und türkischer Schriftsteller im Rahmen des Friedensprojekts "For Peace and Humanitiy. Solidarity with Kobane" an die türkisch-syrische Grenze, um sich über das Schicksal der Flüchtlinge zu informieren. Migrationserfahrungen sind dem gebürtigen Ungarn Török nicht fremd, kam er doch selbst als jugendlicher Flüchtling nach Deutschland. Sein Eintreten für Frieden und Toleranz prägen auch seinen Roman. Dessen Hauptfiguren, der ungarische Diplomat Andreas von Szendrö und Djavidan Hanum, Frau des Kediven von Ägypten, also „Die Königin von Ägypten in Berlin“, stellen eine weitere biografische Parallele dar: Sie sind keine Fantasieprodukte des Autors, sondern sein Vater bzw. seine Großtante; die Figur der Balletttänzerin Sophie la Bendola ist seiner Mutter nachempfunden. „Wir sind nicht Romanhelden“, lässt Török Djavidan sagen, womit auf das komplexe Verhältnis von Fiktionalität und Wirklichkeit in der Literatur angespielt wird. Ihre Lebensgeschichte hat Török auf faszinierende Weise mit den Ereignissen der Jahre 1942 und 1943 in Nazi-Deutschland zu einer spannenden und berührenden Handlung verwoben. Neben Himmler und Ilse Koch, der berüchtigten Frau des KZ-Kommandanten von Buchenwald, tauchen ebenso Protagonisten des Widerstands wie die Geschwister Scholl auf. Dazu lassen sich, vom Autor durchaus beabsichtigt, Bezüge zur Gegenwart herstellen. Wenn etwa eine Rettungsaktion der Königin von Ägypten für Flüchtlinge des türkisch-bulgarischen Kriegs geschildert wird, sind die Parallelen offenkundig: „Flüchtlinge sind keine Menschen mehr! Es sind gejagte, gehetzte, verstörte Wesen, denen grausamste Ungerechtigkeit Menschentum und armseligstes Dasein raubte.“ Die Schülerinnen und Schüler quittierten diesen Appell zu Solidarität und Mitmenschlichkeit am Ende der Lesung mit großem Applaus.

Thum