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Kultur- und Fremdsprachentag 2019

Pyjamas, Paranüsse und Pop – ein buntes Kaleidoskop am diesjährigen Kultur- und Fremdsprachentag

Dass ein Pyjama ein durchaus salonfähiges Kleidungsstück ist und wie es sich anfühlt, einen 20-Liter-Kanister Wasser auf dem Kopf zu balancieren – darüber wissen seit dem 10.7.2019 die Schüler der 9. Jahrgangsstufe des JEG Bescheid.

An diesem Tag wurde wie jedes Jahr ein „Kultur- und Fremdsprachentag“ für die Neuntklässler angeboten. Ziel dieser Veranstaltung ist es, die vielfältige internationale Ausrichtung unserer Schule zu spiegeln, den Mitgliedern unserer Schulfamilie mit internationalen Wurzeln eine Bühne zu bieten und unseren Schülern interkulturelles Wissen über die Inhalte des Lehrplans hinaus zu vermitteln.

Die indischen Austauschschüler aus Bangalore, die für zwei Wochen zu Gast am JEG sind, informierten die Elsenfelder Gymnasiasten über Religionen, Ethnien und Sprachen ihres Vielvölkerstaates. Veranschaulicht wurden diese theoretischen Ausführungen durch eine Modenschau, in der die traditionelle Kleidung verschiedener indischer Bundesstaaten vorgeführt wurde. Fester Bestandteil davon ist sowohl in der Herren- wie auch der Damenmode der Pyjama, ein bequemes Beinkleid, das unter den prächtigen Saris oder Tuniken getragen wird. Ein wichtiges Bindeglied der indischen Gesellschaft ist der Tanz, der sogar als eigenes Schulfach unterrichtet wird. Die Schüler der DPS Bangalore präsentierten eindrucksvolle rituelle Tänze voller Anmut und Grazie. Im Anschluss daran erteilten sie den JEGlern eine YOGA-Lektion. Mit temperamentvollen Bollywoodtänzen und Gesprächsrunden über Religion und sportliche Vorlieben – in Indien ganz klar Cricket! – endete der indische Beitrag zum Fremdsprachentag.

Mit einem herzlichen „Jambo“ – „guten Tag“ auf Kisuaheli – begrüßten die Mitglieder der „Eine-Welt AG“ mit ihrer Lehrerin, OStRin Melanie Feyrer, die Neuntklässler. Diese AG hat sich das Ziel gesetzt, die Schulpatenschaft mit unserer Partnerschule in Tansania neu zu beleben, über das Partnerland zu informieren und neue Spenden zu generieren.

Nach einem theoretischen Teil, in dem über das afrikanische Land, seine wirtschaftliche Situation, Kultur und Sprache informiert wurde, durften die Schüler ihre neu erworbenen Kenntnisse ausprobieren. Unter Anleitung der AG - Teilnehmerinnen wurden Dialoge auf Kisuaheli geführt und Wasserkanister auf dem Kopf durch einen Hindernisparcours balanciert. Außerdem durften sie ein in Tansania sehr beliebtes Ballspiel kennenlernen – den „Netball“.

Auf einen ganz anderen Kontinent entführte Marius Amrhein aus Zellingen die Schülerinnen und Schüler. Der Student und ehemalige Schüler von StRin Corinna Walz verbrachte nach dem Abitur fast ein Jahr mit der Organisation „Weltwärts“ in Brasilien. Ganze 10 Monate unterrichtete er dort in Óbidos, dem Partnerbistum der Diözese Würzburg, Kinder und Jugendliche in Englisch und Musik. Als er die Neuntklässler in brasilianischem Portugiesisch begrüßte, freuten sich so manche Schüler, dass sie mit ihren Spanischkenntnissen doch ziemlich gut verstehen konnten, wovon Marius erzählte. Die nachhaltige Begeisterung über die Erfahrungen während seines Auslandsaufenthaltes konnte man Marius deutlich ansehen - sehr offen und hilfsbereit seien ihm die kontaktfreudigen und fröhlichen Bewohner der Stadt am Amazonas begegnet, betont er, und er habe viele Freundschaften und Kontakte bis heute aufrechterhalten können. Mit vielen Fotos und Videoausschnitten, aber auch einer Verkostung der im Amazonasgebiet wachsenden, exotischen Paranüsse und getrockneten Bananen, deren Hauptanbaugebiete in den tropischen Regenwäldern entlang des Äquators liegen, versuchte Marius, den Jugendlichen die „Sonnenseiten“ der brasilianischen Kultur näher zu bringen. Ein Stück lateinamerikanische Kultur konnten die Jugendlichen auch ganz konkret erleben, als sie gemeinsam das traditionelle Lied „Oh Ana Julia“ mit Marius und seiner Ukulele anstimmten. Eine andere Sicht auf Òbidos blieb jedoch auch nicht unerwähnt: hohe Arbeitslosigkeit, der illegale Handel mit Drogen, alltägliche Gewalt auf den Straßen und Prostitution, die bereits in sehr jungen Jahren beginnt, waren „Schattenseiten“, die Marius bei seinen Ausführungen nicht verschweigen wollte – die ihn jedoch auf keinen Fall daran hindern würden, sofort wieder in das Amazonasgebiet zu reisen.

Ganz Ohr waren die Schüler der Klasse 9A, als Frau Jenny Shannon, die Mutter einer Mitschülerin, über ihre Erfahrungen ihres mehrjährigen Aufenthalts in Detroit, USA, berichtete.

Sie begann dort als Au-pair-Mädchen und schrieb sich später an der Universität ein, an der sie insbesondere Kurse über afroamerikanische Geschichte belegte. Ihr war es ein Anliegen, den Schülern ein authentisches Bild der USA zu vermitteln, fernab der oft klischeehaften Darstellungen in den einschlägigen US-Serien oder Hollywoodfilmen. Die Industriestadt Detroit ist als ehemalige Motown-City geprägt von wirtschaftlichen Problemen, die Arbeitslosigkeit und die Ghettoisierung der überwiegend schwarzen Bevölkerung nach sich ziehen. Frau Shannon wurde Zeugin und auch selbst Betroffene von Rassismus.

In diesem nicht unproblematischen Umfeld formte sich eine bis heute eine unglaublich kreative Musikszene, die Stars wie die Temptations, die Jackson 5, Alice Cooper oder – den Neuntklässlern weitaus besser bekannt – den Rapper Eminem hervorbrachte.

Frau Shannon zog insgesamt eine positive Bilanz ihres USA-Aufenthalts, insbesondere wegen der intensiven zwischenmenschlichen Begegnungen, die ihr vor Augen führten, dass mit dem nötigen Willen die USA ihren Bürgern immer noch „unbegrenzte Möglichkeiten“ bieten. Aufgrund ihrer Erfahrungen mit Rassismus appellierte sie außerdem an die Schüler, stets den Menschen in ihrem Gegenüber zu sehen und sich nicht von Äußerlichkeiten leiten zu lassen. Zahlreiche Fragen der 9A im Anschluss an ihren Vortrag zeugten vom regen Interesse und der Betroffenheit der Schüler.

Doch da hieß es dann auch schon wieder „Kwa heri“ – „Auf Wiedersehen“ auf Kisuaheli – zu sagen, und sich bei allen aktiven Gestaltern des Kultur- und Fremdsprachentages herzlich zu bedanken. Ohne deren Engagement wäre eine derartige Veranstaltung nicht durchführbar! Asante sana! Herzlichen Dank!

                                                                                                                                                              Hirdina/Walz