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„Hallo, könnt ihr mich alle hören?“

Sabrina Ball, Schülerin am JEG, freut sich auf den Wechselunterricht

Diese Situation dürfte nicht nur Schülerinnen und Schülern des Julius-Echter-Gymnasiums Elsenfeld bekannt vorkommen: Ein beliebiger Wochentag, nachmittags. Die fleißige Schülerin bzw. der pflichtbewusste Schüler und nur solche gibt es am JEG, die seit dem frühen Morgen ununterbrochen vor ihren digitalen Endgeräten ausharren, wollen um diese Uhrzeit eigentlich nichts anderes als endlich die Beine hochlegen. Genau das Richtige nach einem anstrengenden Tag Distanzunterricht. „Bing!“, ertönt es plötzlich vom Schreibtisch. Genauer gesagt vom Handy, das wie immer angeschaltet in Griffnähe liegt und verkündet, dass im Modul Lernen neue Nachrichten zu finden sind.

Eigenes Zimmer als Schneckenhaus

Dieses Phänomen des „Rund-um-die-Uhr-Erreichbar-Seins“ ist zu Homeschooling-Zeiten alltäglich geworden. Stichwort 24/7-Schülerdasein: kein Offline, keine gemeinsamen Freizeitaktivitäten, keine Faschingsferien. Hinzu kommt auch, dass die Schülerrolle nun im Prinzip auf bloßes Lernen beschränkt wird. Was aber für Kinder und Jugendliche beim Schulbesuch zentral ist, wurde durch die Studie der TUI-Stiftung von 2020 belegt: Auf die Frage, was sie an der Schule besonders mögen, nannten zwei Drittel der 10- bis 18-Jährigen Treffen mit Freunden und nur 23 Prozent, dass sie dort etwas lernen können. 
Stattdessen fristen die meisten bayerischen Schülerinnen und Schüler nun ein zurückgezogenes Dasein vor Laptop, Tablet und Co., das sich hauptsächlich im eigenen Zimmer, dem persönlichen Schneckenhaus, abspielt. Die Angst, möglicherweise eine Deadline für die digitale Abgabe der Hausaufgaben oder eine kurzfristig anberaumte Videokonferenz zu verpassen, ist eben doch groß. 

Distanzlernen als Schulersatz?

Apropos Videokonferenzen: Die allseits bekannte Begrüßungsfloskel „Hallo, könnt ihr mich hören?“ ist mittlerweile der Nominierung zum „Satz des Schuljahres 2020/21“ mehr als würdig. Doch Spaß beiseite; es drängt sich doch die Frage auf, ob Distanzlernen an sich auf Dauer den herkömmlichen Unterricht ersetzen kann. Die Antwort lautet aus Schülersicht schlicht Nein, und das aus gutem Grund. Schließlich ist der enge Face-to-Face-Kontakt zwischen Lehrern und Schülern sowie das soziale Miteinander in der Klasse und als Schulfamilie in den letzten Monaten doch eher auf der Strecke geblieben. Virtuell ist eben nicht real, das eigene Zimmer kein Klassenraum.
Die Nachricht, dass ab dem 15. März wieder Präsenzunterricht an Gymnasien, wenn auch im Wechsel und unter strengen Hygieneauflagen, stattfinden kann, ist demzufolge eine gute Nachricht. Wer hätte gedacht, dass sich Schülerinnen und Schüler einmal so auf ihre Lehrkräfte freuen würden? 
„School is back again“, lautet die Devise, und sei dieses zurückgewonnene Stückchen Normalität auch noch so Oldschool und ungewohnt analog. Denn bei einer Sache sind sich mittlerweile wohl alle Schülerinnen und Schüler einig: Oldschool ist immer noch besser als Noschool.
Ball/ Thum






 
22.03.2021 20:10:32 | Julius-Echter-Gymnasium, JEG Webmaster