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Geschichte am JEG: Epochenjahr 1918

27.03.2019 19:48:31 | Julius-Echter-Gymnasium, JEG Webmaster

»Epochenjahr 1918: der Zerfall alter Monarchien und die Entstehung neuer Staaten in Europa«

Am 18. März 2019 versammelten sich die Schülerinnen und Schüler der 11. Jahrgangsstufe sowie zahlreiche Geschichtsinteressierte um 19.00 Uhr in der Aula des Julius-Echter-Gymnasiums. Anlass war ein Vortrag von Prof. Dr. Sabine Freitag von der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Sie befasste sich mit dem Ende des Ersten Weltkriegs und den dadurch ausgelösten Transformationsprozessen in Europa vor 100 Jahren.

Gerade solch ein Jubiläum ist immer auch eine Wegmarke der historischen Erinnerungskultur, in deren Gefolge nicht nur dem Ereignis selbst gedacht, sondern diesem zugleich eine zeitbedingte Deutung angeheftet wird. Geschichte wird so zum Vehikel der geistigen und gesellschaftlichen Strömungen der sie deutenden Epoche. So versah die deutschnationale Geschichtsschreibung der Zwischenkriegszeit den Versailler Frieden mit dem Etikett des „Schandfriedens“. Ein solches Narrativ ist heute selbstverständlich untragbar; so wie sich die Zeiten geändert haben, ist auch der Blick der aktuellen historischen Forschung auf das Epochenjahr 1918 und die Entstehung neuer Staaten im Jahr 1919 ein anderer.

So hob Sabine Freitag hervor, dass bereits im Vorfeld der Friedensverhandlungen von den Siegermächten vielfältige Zusagen gemacht worden sind. Viele Bedingungen waren de facto nicht mehr verhandelbar, um erneute Kampfhandlungen zu vermeiden. Dies betraf besonders die in Osteuropa neu entstehenden Staaten, die aus der Konkursmasse der beiden Großreiche Russland und Österreich-Ungarn hervorgingen. Die Anerkennung nationaler Widerstandsgruppen aus diesen Gebieten sollte zu neuen Nationalstaaten führen, deren Inhomogenität allerdings den Keim für neue Konflikte in sich barg.

Neben diesen Sachzwängen verwies Freitag auf den übersteigerten Nationalismus in Europa nach 1918. Während des Ersten Weltkriegs hatte eine moderne Propagandamaschinerie in den nationalen Medien den jeweiligen Kriegsgegner verteufelt. Eine Versöhnung schien daher ausgeschlossen, die Öffentlichkeit verlangte von den Regierungen entweder die Demütigung des unterlegenen Gegners oder, wie im Falle Deutschlands, die Ablehnung aller die nationale Ehre beeinträchtigenden Bestimmungen. Schließlich sollten die insgesamt 17 Millionen Toten dieses Kriegs nicht umsonst gestorben sein.

In der anschließenden Diskussion war sich das Auditorium einig, dass angesichts eines erstarkenden Nationalismus die EU wichtiger denn je ist. Übrigens ist auch der Gedanke eines geeinten Europa eine Folge des Epochenjahrs 1918.


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